Nachhaltigkeitsziele sind ohne Nord-Süd-Forschung nicht erreichbar

Die Aussenpolitik der Schweiz sollte die Forschung zum globalen Wandel deutlich stärker berücksichtigen, um die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 zu erreichen, sagt die Kommission für Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern (KFPE) der Akademie der Naturwissenschaften. Gerade in der Nord-Süd-Forschung ist die Schweiz aufgrund langjähriger Erfahrungen prädestiniert, den Aufbau von Forschungs-Kompetenzen im Süden zu fördern und so den Wandel mitzugestalten.

Verifizieren von Bodendegradierungen in der Mongolei mit Satellitenbildern und lokalen, nationalen und internationalen Experten.
Bild: Hanspeter Liniger, CDE Uni Bern

In Entwicklungs- und Schwellenländern fehlen meist adäquate Kapazitäten und ausgebildete Fachpersonen, um die Entwicklung zur Nachhaltigkeit auszuhandeln und zu steuern. Zudem sind grundlegende Daten und Informationen nur selten verfügbar. Dank langjähriger international anerkannter Forschungspartnerschaften mit Ländern des Südens können Institutionen der Schweiz entscheidend beitragen. Durch dieses Engagement gewinnt die Schweizer Forschungsgemeinschaft nicht nur exzellente Erkenntnisse, sondern sie kann Debatten zu drängenden globalen Herausforderungen auch aktiv begleiten. Als kleines und global stark verflochtenes Land hat die Schweiz ein starkes Eigeninteresse den kommenden Wandel aktiv mitzugestalten.

Schweiz fehlt gezielte Nachhaltigkeitsforschung

Damit dies gelingt, muss die Schweiz ihre Politik kohärenter auf die Nachhaltigkeitsziele ausrichten und eine integrale Denkweise an den Tag legen. Dafür braucht es das Mitwirken der Zivilgesellschaft und die Impulse der Wirtschaft genauso wie eine echte und gezielte Nachhaltigkeitsforschung. Die Schweiz hat aus Sicht der KFPE grossen Nachholbedarf. So investiert etwa das Europäische Forschungsprogramm Horizonte 60 Prozent seines Budgets in Projekte, welche die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 verfolgen.

Mit zwei Anlässen startet die KFPE nun den Dialog rund um die Nachhaltigkeitsforschung und das Schweizer Engagement zur Agenda 2030. Am 21. November findet der Anlass «Ohne Forschung keine Nachhaltigkeit» und am 22. November die internationale hochkarätige Konferenz «Leveraging Research Partnerships for Global Challenges» statt. Dabei werden neue Rollen und Aufgaben der Wissenschaft sowie von Forschungspartnerschaften identifiziert, um die Agenda 2030 zu unterstützen. Beide Anlässe sind öffentlich: Anmeldung/Programm

Weitere Veranstaltungen

Die Aktualität des Themas für die Forschung wird durch zwei weitere Anlässe in Bern untermauert. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) organisiert zusammen mit United Kingdom Research and Innovation (UKRI) am 20. und 21. November das «International Research for Development Funders Forum». Rund 20 Förderinstitutionen diskutieren neue Ansätze und Politiken in der Ausgestaltung und Förderung von Forschung für eine globale nachhaltige Entwicklung. Am 23. November tauschen die Akteure des Programms SUDAC (swissuniversities Development and Cooperation Network) ihre Erfahrungen aus. Diese beiden Veranstaltungen richten sich an ein Fachpublikum.

20 Jahre Leitfaden für grenzüberschreitende Forschungspartnerschaften

Forschende aus dem Globalen Süden baten in den 90er Jahren die KFPE, Leitlinien zu entwickeln für eine wirkungsorientierte Partnerschaft auf Augenhöhe. Die Partner in ärmeren Ländern sollen nicht nur als Datenlieferanten dienen, sondern einen eigenen Nutzen aus der Zusammenarbeit mit OECD-Ländern ziehen. 1998 erschien die erste Version. Seither sind die 2012 überarbeiteten 11 Prinzipien der KFPE europaweit zur Leitplanke geworden. 2003 empfahl die EU die 11 Prinzipien anzuwenden, nach einer Analyse von 65 unterschiedlichen code of conducts in der Forschung. Verschiedene nationale und internationale Forschungsprogramme verlangen oder empfehlen die Befolgung dieser Prinzipien; dazu gehören die Volkswagen Stiftung oder der Wellcome Trust, aber auch die DEZA und der Nationalfonds. 11 Prinzipien

  • Erhebung des Gesundheitszustand im Hinblick auf ein geplantes Minenprojekt in der Republik Guinea und dessen mögliche Folgen für die Gesundheit.
  • Gemeinsame Analyse und Suche nach dem Erreger von Buruli Ulcerans in Kamerun
  • Verifizieren von Bodendegradierungen in der Mongolei mit Satellitenbildern und lokalen, nationalen und internationalen Experten.
  • Erhebung des Gesundheitszustand im Hinblick auf ein geplantes Minenprojekt in der Republik Guinea und dessen mögliche Folgen für die Gesundheit.Bild: Mirko Winkler, SwissTPH Basel1/3
  • Gemeinsame Analyse und Suche nach dem Erreger von Buruli Ulcerans in KamerunBild: Lukas Meyer, SwissTPH Basel2/3
  • Verifizieren von Bodendegradierungen in der Mongolei mit Satellitenbildern und lokalen, nationalen und internationalen Experten.Bild: Hanspeter Liniger, CDE Uni Bern3/3

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