Wegweiser für die Nachhaltigkeitsforschung

Die Publikation der Initiative für Nachhaltigkeitsforschung (SRI) soll die Forschungsgemeinschaft stärken, die sich in der Schweiz mit nachhaltiger Entwicklung befasst. Projektleiterin Gabriela Wülser erklärt im Interview, wie die Reihe von Schwerpunktthemen entstanden ist.

Portrait Gabriela Wülser 2020
Image: Tom Kawara

Warum braucht die Schweiz eine Agenda für Nachhaltigkeitsforschung?

Nachhaltigkeit ist politisch und gesellschaftlich ein zentrales Thema. Um die Agenda 2030 umzusetzen, braucht es auch die Wissenschaft, wie der Global Sustainable Development Report (GSDR) der Vereinten Nationen betont. Nun geht es darum, diese globale Analyse auf die nationale Ebene herunterzubrechen. Wir haben die Vielzahl an Herausforderungen für die Schweiz zu sechs Themen gebündelt und ungelöste Fragen zusammengetragen.

An welche Fragen denken Sie?

Eine der wichtigsten ist, wie wir die Synergien und Zielkonflikte zwischen den Nachhaltigkeitszielen berücksichtigen können. Wir kommen nicht weiter, ohne die verschiedenen Problembereiche miteinander zu verbinden und über die Auswirkungen auf die anderen Bereiche nachzudenken. Doch rund um die Identifikation und Priorisierung gibt es noch viele offene Fragen, was natürlich gleichzeitig eine Chance für wissenschaftliche Innovationen ist.

Nachhaltigkeit ist für viele Forschungsinstitutionen ein grosses Thema. Was kann die SCNAT dazu beitragen?

Wir können unvoreingenommen an die Themen herangehen, Fachpersonen aus verschiedensten Institutionen und Gebieten zusammenbringen und auf das Wissen in unseren Foren und Schwesterakademien aufbauen. Damit bauen wir wichtige Brücken. Es war uns wichtig, die Probleme möglichst bei der Wurzel zu packen und aufzuzeigen, dass wir nun wirklich bei den Ursachen ansetzen müssen.

Wo sehen Sie die grössten Handlungsmöglichkeiten für den Forschungsplatz Schweiz?

Wir haben beispielsweise festgestellt, dass ein breiterer Diskurs zu nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzsystemen sowohl in der Wissenschaft wie auch in der Praxis nötig ist. Wenn die bestehenden Gräben überwunden werden können, liegt hier auch die grösste Hebelwirkung für die Anwendung. Grundlegende Alternativen zur neoliberalen Schule liegen auf dem Tisch, Lösungsansätze auch.

Welche Arbeiten gestalteten sich schwierig?

Eine Herausforderung – aber gleichzeitig etwas, das mich immer wieder fasziniert - waren die unterschiedlichen Forschungskulturen, Stile und Sprachen. So weisen die Kapitel nun ein Stück weit die Handschrift der Arbeitsgruppen auf. Wir haben das bewusst belassen, um den Reichtum der Diversität aufzuzeigen. Damit nahmen wir in Kauf, dass Kapitel wie «Values, Visions, and Pathways» nicht für alle Angehörigen der Naturwissenschaften so leicht verständlich sind.

Was sind die nächsten Schritte?

Jetzt wollen wir die Themen vertiefen. Dazu organisieren wir gemeinsam mit interessierten Hochschulen eine «Tour de Suisse». Wir möchten noch viel mehr Forschende zusammenbringen, mit ihnen die Themen schärfen und Forschungsprojekte anregen. Wichtig ist dabei auch der internationale Austausch im Netzwerk von Future Earth. Parallel dazu bleiben wir im Austausch mit Forschungsförderern um zu beraten, mit welchen Mitteln wir die drängenden Fragen verstärkt angehen können.

Themen der Forschungsagenda

1. Food for People and Planet

2. Thriving Spaces: Sustainability and Spatial Development

3. Net-zero Greenhouse Gas Emissions Society

4. Economic and Financial Systems for Well-being

5. Shared Values, Visions, and Pathways for Sustainability

6. Synergies, Trade-offs, and Common Threads

7. Enabling Transdisciplinary Sustainability Research

Das Interview führte This Rutishauser

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Dr. Gabriela Wülser
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