With the Sustainability Research Initiative, SCNAT, together with its sister institutions, promotes research on sustainable development and 2030 Agenda. It focuses on the joint handling of social issues of higher priority in overarching consortia.di più

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Blog: Sustainability Science Dialogue - Mehr Vernetzung für die Nachhaltigkeitsforschung an der ZHAW

Am 27. September reiste das Team der Initiative für Nachhaltigkeitsforschung nach Winterthur an die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

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Bei dieser Ausgabe des Sustainability Science Dialogues, zusammen organisiert mit Nico Frommherz und Lea Quilitz von ZHAW sustainable, wurde der Frage nachgegangen, wie die ZHAW ihre Nachhaltigkeitsforschung weiter stärken und Synergien in den eigenen Forschungsbereichen vermehrt nutzen kann. Forschende der ZHAW konnten sich zu den prioritären Forschungsthemen der SCNAT austauschen, sich vernetzen, offenen Fragen und Lücken identifizieren und eventuell neue, vielversprechende Partnerschaften knüpfen.

Nach einleitenden Worten von Francesco Bortoluzzi, Leiter von ZHAW sustainable und Gabriela Wülser, Leiterin Nachhaltigkeitsforschung an der SCNAT, wurde die Veranstaltung mit einer Keynote von Peter Edwards, Präsident der Initiative für Nachhaltigkeitsforschung der SCNAT, eröffnet. Er wies darauf hin, dass die nachhaltige Entwicklung die grösste Herausforderung unserer Zeit sei und nur durch einen gesellschaftlichen Wandel angegangen werden könne – welcher insbesondere durch inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit in der Forschung begleitet und unterstützt werden müsse.

"The problems are so urgent that it needs a societal transformation to tackle them. It is obvious that research has an important role to play in this transformation process…. Society without science will be incapable to do these changes."

Dabei zeigte Edwards auf, dass sich die Nachhaltigkeitsforschung von der konventionellen wissenschaftlichen Arbeit stark unterscheidet – sie ist Forschung, die den gesellschaftlichen Wandel gezielt unterstützen will und sich stark orientiert an der Frage «Wo wird das Wissen benötigt?». Im Gegensatz zur oft sehr disziplinär orientierten, traditionellen Forschung, sei die Nachhaltigkeitsforschung inter- und transdisziplinär und berücksichtige auch Expertise ausserhalb des akademischen Umfelds. Dazu braucht es oft spezielle Methoden wie Reallabore oder eine Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Die Hochschulen sollten demnach Partnerschaften mit nicht-akademischen Partner:innen fördern und sich für Finanzierungen dieser Kollaborationen engagieren.

Die Nachhaltigkeitsforschung bedarf ausserdem internationaler Zusammenarbeit, da die grossen Probleme unserer Zeit nicht an den nationalen Grenzen enden: Beispielsweise der Klimawandel, in grossen Teilen durch Industrienationen des globalen Nordens verursacht, welcher verheerende Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen vieler Völker im globalen Süden hat. Durch Migrationsbewegungen entstehen andersherum wiederum Rückkopplungen in den Norden.

Sowohl zu internationalen Partnerschaften als auch transdisziplinärer Zusammenarbeit werden jedoch Anreizsysteme benötigt, die als solche in der konventionellen Wissenschaft, wo hauptsächlich der Publikationsdruck eine Rolle spielt, bisher nur wenig existieren. Peter Edwards schlussfolgerte, dass die Hochschulen und Forschungseinrichtungen noch nicht hinreichend gut organisiert für diese «neue» Art von Forschung seien. Die institutionellen Strukturen müssten sich noch wandeln und ein förderliches Umfeld bieten für eine Forschung, die zur Lösung der grossen Probleme unserer Zeit beitragen will.

Aber welche sind wirklich die Themen, die zurzeit in der Schweiz den grössten Forschungsbedarf generieren in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung? Um diese Frage zu beantworten, entstanden im Jahr 2020 in einem Bottom-up Prozess die sechs prioritären Themen für die Nachhaltigkeitsforschung in der Schweiz. Sie orientieren sich am gesellschaftlichen Handlungsbedarf und an der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und zeigen auf, wo Wissenslücken existieren, die von der Forschungscommunity angegangen werden sollten.

ClimateChange@ZHAW

Julien Anet von der ZHAW School of Engineering stellte im Anschluss an Peter Edwards’ Vortrag die Bottom up-Initiative ClimateChange@ZHAW vor, welche zu Beginn des Jahres 2022 gegründet wurde. Ausgangspunkt der Überlegungen der Initianten war unter anderem der Wunsch nach Vernetzung im Bereich von Klimathemen. Ebenso sollte die grundsätzlich geringere Visibilität der Klimaforschung an Fachhochschulen im Vergleich zu anderen Hochschultypen verbessert werden:

«Verständlicherweise stehen bei Google-Suchanfragen zur Schweizer Klimaforschung hauptsächlich Einträge von der ETH Zürich oder der Universität Bern an oberster Stelle. Trotzdem gibt es zahlreiche Forschungsgruppen an der ZHAW, die sich erfolgreich mit Fragestellungen im Bereich des Klimawandels befassen,» so Anet.

Diese Initiative von Dozierenden und Forschenden der ZHAW will zusammentragen, wer an der ZHAW zu Fragen des Klimawandels forscht, um somit innerhalb der Hochschule Kräfte zu bündeln und die Sichtbarkeit nach aussen zu stärken. Gemäss Anet wissen viele Forschende innerhalb der ZHAW nicht, zu welchen Fragestellungen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen arbeiten. ClimateChange@ZHAW ist demnach eine vielversprechende Vernetzungsplattform, um Expertise zu bündeln und interdisziplinäre Klimaforschung an der ZHAW zu stärken.

Erkenntnisse aus den Workshops

In den anschliessenden parallelen Sessions konnten die Teilnehmenden vier der sechs Schwerpunktthemen für die Nachhaltigkeitsforschung in kleineren Gruppen vertiefter besprechen.

Umwelt- und sozialverträgliche Ernährungssysteme
Unter der Leitung von Marcel Anderegg von SVIAL diskutierten zuerst die drei Expert:innen Isabel Jaisli, Karin Nordström und Claudio Beretta (alle ZHAW) über die grössten Herausforderungen und offenen Fragen auf dem Weg zu nachhaltigen Ernährungssystemen. Laut Jaisli und Nordström ist die Transformation hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen verbunden mit agrarökologischen Fragen, aber auch mit Fragen der Gesundheit. Mehr

Wirtschafts- und Finanzsysteme, die der nachhaltigen Entwicklung dienen
In diesem Workshop, geleitet von Matthias Huss vom Zurich Knowledge Centre for Sustainable Development (ZKSD), wurde zusammen mit den Experten Peter Qvist-Sorensen, Beat Affolter und Grégoire Meylan thematisiert, welche Hürden der Entwicklung eines nachhaltigeren Wirtschafts- und Finanzsystems im Weg stehen. Welchen Einfluss auf Veränderungen können zudem persönliches Verhalten und politische Entscheidungen haben? Mehr

Gesellschaft mit Netto-Null-Treibhausgasemissionen
Moderiert von Filippo Lechthaler, Leiter von ProClim, drehten sich die Diskussionen in diesem Workshop vor allem um gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen, die das Erreichen des Netto-Null-Zieles begünstigen. Generell herrschte der Konsens bei den eingeladenen Expert:innen der ZHAW (Armin Eberle, Regina Betz, Jürg Rohrer) und den Workshop-Teilnehmenden, dass es die wichtigsten Technologien bereits gebe. Die Kernfrage sei daher eher, wie man diese streue, skaliere und verankere, auf eine für die Gesellschaft akzeptable Art und Weise und in Anbetracht bestehender Zielkonflikte. Mehr

Thriving Spaces: Nachhaltigkeit und Raumentwicklung
Das Schwerpunktthema «Thriving Spaces» befasst sich damit, wie wir unseren Raum nachhaltig gestalten können als Teil der gesellschaftlichen Transformation zur Nachhaltigkeit. Prosperierende und gedeihende Räume sind die Lebensgrundlage von Mensch und Natur. Wie können wir unsere Lebensstile nachhaltig ändern, unsere Räume dem Klimawandel anpassen und was wären hierfür zum Beispiel geeignete Instrumente der Raumplanung? Derartige Frage spielen eine zentrale Rolle in der Vision von «Thriving Spaces». Mehr

Fachhochschulen als Schnittstelle zwischen Universitäten, Wirtschaft und Gesellschaft

Francesco Bortoluzzi, Leiter von ZHAW sustainable, betonte in seinem Schlusswort, dass die Veranstaltung das klare Potenzial von mehr Vernetzung unter den Disziplinen gezeigt hätte. Er erwähnte, dass beim Erarbeiten des Whitepapers Nachhaltigkeitsforschung der SCNAT mit den sechs prioritären Themen fast keine Fachhochschulen involviert gewesen seien. Dies liege wahrscheinlich daran, dass Forschende an Fachhochschulen oft in angewandten Projekten mit der Industrie und der Gesellschaft engagiert und sehr stark in die Lehre eingebunden seien. Dabei wären die Fachhochschulen bedeutungsvolle Partner: Sie haben eine wichtige Übersetzungsfunktion, wenn es darum geht, das abstrakte Wissen aus der Grundlagenforschung in angewandte Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung zu übersetzen. Ausserdem vereinen sie viele Disziplinen unter einem Dach, womit das Potential für Interdisziplinarität gegeben wäre.

«Gerne würde ich Vernetzungsevents wie heute vermehrt machen» sagte Bortoluzzi und äusserte die Idee eines «Forschungsideen-Matchmaking», wo auch Firmen, die Stadt und der Kanton eingeladen wären, um transdisziplinäre Partnerschaften weiter zu festigen.

Autori: Anne-Catherine Minnig, Anja Bretzler

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